"Wunderkinder" (UA) nach dem gleichnamigen Film

von andcompany&co.

weitere Vorstellungen: 29. Juni / 8. Juli

"Jetzt wird auf die Pauke gehau’n!"

Michael Laages (Deutschlandfunk) über die Inszenierung:
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/03/13/dlf_20110313_1748_0dee1a79.mp3

STIMMUNG! Dass man die Feste feiern soll wie sie fallen ist eine alte deutsche Weisheit, die für alle Zeiten, ob Vor- oder Nachkriegszeiten, gleichermaßen gilt: „Jetzt wird auf die Pauke gehau’n!“ sang Wolfgang Neuss und haute drauf. Kongenial kommentierte er mit Wolfgang Müller vierzig Jahre deutsche Geschichte in der Filmsatire WIR WUNDERKINDER aus dem Jahr 1958. Im Mittelpunkt stehen dabei die Lebensläufe zweier Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Der eine, ein Stehaufmännchen, schwimmt dank seines opportunistischen Anpassungsvermögens immer auf der Welle des Erfolgs. Ob im Kaiserreich, den Zwischenkriegsjahren, in der Nazidiktatur oder der Wirtschaftswunderzeit, Bruno Tiches weiß, wie man um jeden Preis nach oben gelangt und dort bleibt. Der andere, Hans Boeckel, bleibt lieber anständig und geht dabei oft leer aus. Während man der Verfilmung von Hugo Hartungs gleichnamigem Roman hierzulande vorwarf, Geschichte zu verharmlosen, verkannte man, dass sich der eigentliche Fokus der Kritik des Films auf die Gegenwart bezog, nämlich das bruchlose „Weiter so“ vieler Kriegsprofiteure unter falschem Namen.
Das 2003 gegründete Theaterkollektiv andcompany&Co. wird den von der Göttinger Filmaufbau GmbH produzierten Film inhaltlich ins Heute weiterdenken. Zugleich werfen sie einen Blick zurück auf Göttingen als „Hollywood an der Leine“ und die 1950er Jahre, als die Wunder, ob als „Wunder von Bern“, „Wirtschaftswunder“ oder „deutsches Fräuleinwunder“ Hochkonjunktur hatten. Daraus entsteht eine Collage aus Fakten und Fiktionen, die andcompany&Co. mit Bruchstücken ästhetischer und philosophischer Entwürfe des 20. und 21. Jahrhunderts verweben. Gewürzt mit einer Prise Wolfgang Neuss und garniert mit den Kultsongs aus dem Film wird daraus eine außergewöhnliche satirische Revue quer durch die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts.



Für die Inszenierung von WUNDERKINDER zeichnet das internationale Theaterkollektiv andcompany&Co. verantwortlich. Die 2003 gegründete Gruppe wird dabei den Film inhaltlich ins Heute weiterdenken und zugleich die Umstände seiner Entstehung und die kontroverse Rezeption des Films in Form eines außergewöhnlichen Theaterabends auf die Bühne des Deutschen Theaters in Göttingen bringen. andcompany&Co. sind vor allem bekannt für ihr humorvolles Spiel mit Fakten und Fiktionen, das Bruchstücke ästhetischer und philosophischer Entwürfe des 20. Jahrhunderts musikalisch verdichtet. Neben ihrem Produktionsschwerpunkt am Theater Hebbel am Ufer in Berlin, wo die Gruppe artist-in-residence ist, entstanden zuletzt Arbeiten am jungen schauspielhannover und Staatstheater Stuttgart, für die sie von den Lesern der Internet-Seite nachtkritik.de zweimal hintereinander auf Platz zwei des virtuellen Theatertreffens gewählt wurden. Im Sommer 2010 waren andcompany&Co. auf Einladung des Goethe-Instituts São Paulo in Brasilien, um dort mit lokalen Schauspielern das FATZER-Fragment von Bertolt Brecht zu inszenieren. Im Januar 2011 hatte ihre Inszenierung von J.M.R Lenz‘ Dramenfragment PANDÄMONIUM GERMANICUM am Berliner Hebbel am Ufer-Theater Premiere.

Inszenierung > Regieteam andcompany&Co. Bühnenbild > Jan Brokof Kostüme > Regieteam andcompany&Co. Dramaturgie > Lutz Keßler Musik > Regieteam andcompany&Co.